Ja zum abendlichen Brotgenuss

Ja zum abendlichen Brotgenuss

„Du isst Brot am Abend? Weißt du denn nicht, dass das dick macht?“. Diesen Satz haben Sie sicher auch schon gehört und er hinterlässt bei vielen ein schlechtes Gewissen, wenn man trotzdem voller Genuss seine abendliche Brotmahlzeit verspeist. Dass Sie das ohne Weiteres auch in Zukunft tun können und sollen, lesen Sie hier.

Wir Österreicher*innen lieben Brot. Das Frühstücksbrot oder -gebäck ist weiterhin die beliebteste Form des Frühstücks, am Vormittag hat es seinen festen Platz in Schule oder Kindergarten, bei kalten Mahlzeiten ist es ein Fixstarter, und die warme Mahlzeit wird immer wieder durch Brot ergänzt.  

Irgendwann kam die Meinung auf, dass Kohlenhydrate ganz generell dick machen und abends ganz besonders – die Low Carb (=wenig Kohlenhydrate)-Bewegung nahm ihren Anfang. Sämtliche Kohlenhydrate – egal ob aus Obst, Nudeln, Reis oder Brot – wurden als DIE Dickmacker verteufelt. Eiweiß war der neue Schlankmacher.

Der Fehler bei dieser Theorie: alle Kohlenhydrate, ganz egal ob „kurz“ oder „lang“, aus Süßigkeiten oder aus Brot  wurden in einen Topf geworfen. Und da werden sie auch heute oft noch gut vermischt, obwohl es sich auszahlt diese Mischung getrennt zu betrachten.

Die Länge macht den Unterschied

Zu Lebensmitteln mit viel Kohlenhydraten zählen Lebensmittel wie Brot, Getreide, Pasta, Obst, Honig, Marmelade, Cerealien, Süßigkeiten oder süße Getränke. Alle Kohlenhydrate werden im Körper letztendlich als Zucker verarbeitet – Zucker, die der Körper auch unbedingt benötigt. Unser Gehirn kann zum Beispiel nur Zucker verarbeiten, mit Eiweiß oder Fett fängt es gar nichts an.

Nachteilig wirken sich Zucker aus Süßigkeiten, süßen Getränken oder Kuchen aus. Das sind die „kurzen“ Kohlenhydrate, die der Körper schnell spalten kann. Dadurch schnellt der Blutzucker rasant in die Höhe und rasselt auch genauso schnell wieder nach unten. Außerdem liefern diese Lebensmittel sonst nicht viel. Keine Vitamine, keine Mineralstoffe, keine Ballaststoffe.

Kohlenhydrate aus Brot hingegen sind die sogenannten „langen“ Kohlenhydrate. Der Körper braucht länger, die langen Zuckerketten aufzuspalten und er wird langfristig und gleichmäßig mit wichtigen Zuckern versorgt. Außerdem sind diese Lebensmittel zusätzlich vollgepackt mit Ballaststoffen, die der Verdauung gut tun, mit Vitaminen für starke Nerven sowie zahlreichen Mineralstoffen, die den Stoffwechsel am Laufen halten.

Alle Ernährungsfachgesellschaften weisen darauf hin, dass Kohlenhydrate aus Brot, Kartoffeln, Reis oder Pasta mindestens die Hälfte unserer Nahrungsenergie ausmachen sollen. Fett hingegen liefert mehr als doppelt soviel Kilokalorien.

Macht Brot am Abend nun dick?

Essen wir Kohlenhydrate, steigt der Insulinspiegel an. Das Insulin schließt die Türen dazu auf, dass die Nährstoffe auch in die Zellen kommen. Gleichzeitig versperrt es aber die Türen der Fettzellen. Fettverbrennung ist in dieser Zeit nicht möglich. Abnehmwillige sollten daran denken und zwischen den Mahlzeiten auch wirklich ausreichend Zeit verstreichen lassen. Dauerndes Dahin-Snacken führt zu einem andauernd hohen Blutzuckerspiegel und die Fettverbrennung kann nicht ordentlich stattfinden. Trotz alledem gibt es keinerlei wirklichen wissenschaftlichen Belege, dass langfristig die Gewichtsabnahme schneller oder besser funktioniert, wenn abends kein Brot gegessen wir. Damit das mit dem Abnehmen dauerhaft funktioniert, muss die gesamte Kalorien- und Kohlenhydrataufnahme über den ganzen Tag berücksichtigt werden. Wird tagsüber geschlemmt, nutzt auch der Verzicht auf Brot am Abend nichts, um unnötige Kilos los zu werden. Da lohnt es sich schon mehr auf Kohlenhydrate aus Süßigkeiten, Kuchen, Getränken, Joghurts und anderen stark gesüßten Lebensmitteln zu verzichten.

Käse und Brot pur oder doch ein Käsebrot?

Anhänger der Hayschen Trennkost oder der Insulin-Trennkost gehen der These nach, dass Eiweiß ohne Kohlenhydrate gegessen werden soll, da beides zusammen nicht verdaut werden kann. Hier ist sich die Wissenschaft einig, dass man sich das aufwändige Trennen von Kohlenhydraten und Eiweißen sparen kann. Unser Körper ist darauf ausgelegt Eiweiß und Kohlenhydrate gemeinsam zu verarbeiten. Bestes Beispiel dafür ist die Muttermilch, die für das kleine Neugeborene alles zusammen bereithält. Für viele Prozesse ist es sogar von Bedeutung, dass beides vorhanden ist. Also bitte unbedingt das Käsebrot bevorzugen!

Einem genussvollen Brotgenuss am Abend ohne schlechtes Gewissen steht also nichts mehr im Wege!

 

Dr. Astrid Laimighofer ist Ernährungswissenschafterin und schreibt in regelmäßigen Abständen für unseren Brotblog.

Dr. Astrid Laimighofer
Ernährungswissenschafterin & Buchautorin
0699/1000 80 85
astrid@laimighofer.at
www.gesundberaten.co.at

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