Regionalität von Anfang an

Regionalität von Anfang an

Es ist Sommer – in Niederösterreich und auch sonst in Österreich. Die Sonne der letzten Tage ist nun einem angenehm kühlen Wind gewichen. Die Getreidefelder mit ihren regelmäßigen Formen und ihrer Farbenpracht prägen die Landschaft. Wir fahren durch die sanft hügelige Gegend rund um St. Pölten um zwei Getreidebauern zu besuchen, die Getreide für die Bäckerei Hager anbauen. Mitten in ihren Getreidefeldern wollen wir mit ihnen über ihre tägliche Arbeit reden.

Unser erster Stopp liegt in Rassing. Ein kleiner Ort nur 10 km nordöstlich von St. Pölten. Hier wohnt Familie Klaus, die einen reinen Ackerbaubetrieb in vierter Generation bewirtschaftet. Lukas Klaus – ein junger Landwirt knapp über 30 sprüht vor Energie. Er fährt mit uns zu einem seiner Felder, auf dem er Dinkel anbaut. Dinkel, der in der Bäckerei Hager für das Rassing sowie das Rotkorndinkel verbacken wird.

Trendgetreide Dinkel

Dinkel als Urform des Weizens ist für den Laien von Weizen kaum zu unterscheiden. Durch den immer weiter boomenden Gesundheitstrend ist der Dinkel eine Getreidesorte, die sich weiterhin steigender Beliebtheit erfreut.

Der Landwirt schätzt ihn, weil er robust und widerstandsfähig ist, auf nährstoffärmeren Böden auch noch gedeiht und mit weniger Pflanzenschutzmittel auskommt. Die Konsumenten mögen seinen etwas nussigen Geschmack. Für manche darmsensible Menschen scheint er auch besser verträglich zu sein als herkömmlicher Weizen. Auch seine gesundheitliche Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Der Nachteil des Dinkels ist sein geringerer Ertrag, dafür werden für Dinkel höhere Preise bezahlt.

In drei Wochen, so schätzt Herr Klaus, nachdem er prüfend eine Spelze öffnet, ist der Dinkel erntereif.

Es gibt kein 1×1-Rezept

Herr Klaus experimentiert gerne und beobachtet seine Felder ganz genau. „Die schönen Bestände geben mir ein super Gefühl und dass ich alles richtig gemacht habe“, erzählt er mit Stolz in der Stimme. Beim Getreideanbau gibt es auch kein 1×1-Rezept, dass die Ernte jedes Jahr zufriedenstellend ausfällt. Standort, Witterung, auch etwas Glück gehören dazu. Speziell beim Dinkel kommt es auf den Standort an. Dort wo er dieses Jahr bei der Familie Klaus wächst, scheint ein perfekter Platz zu sein. Er wächst dicht und gleichmäßig und benötigte nur eine einmalige Düngung.

Regionales Getreide sollte etwas wert sein

Getreide ist ein Lebensmittel – ein Mittel zum Leben. Für einen Getreidebauern sogar in doppelter Hinsicht. Er lebt vor allem davon, wie gut die Ernte ausgefallen ist, wie hoch der Preis ist oder ob es genug Abnehmer gibt. Regional einzukaufen hat nicht erst seit der Pandemie an Wichtigkeit zugenommen. Bereits davor war eindeutig der Trend weg von zu viel Masse hin zu mehr Regionalität zu spüren. Dem Getreidebauern, der die Mühlen beliefert, nutzt dieser Regionalitätstrend wenig, so Herr Klaus. Hier würde er sich wünschen, dass bereits der Bauer für regionales Getreide mehr Geld bekommt.

Alter neuer Waldstaudenroggen

Unser zweiter Stopp führt uns 25 km weiter westlich zum Ackerbaubetrieb der Familie Ronge nach Flinsbach. Auf 100 Hektar baut Karl Ronge hier Ölsaaten, Weizen, Dinkel, Mais und Waldstaudenroggen an.

Besonders der Waldstaudenroggen hat es uns hier angetan. Ein fünf Hektar großes Feld baut Karl Ronge mit dieser Urroggensorte an. Wie viele alte Getreidesorten, ist auch diese Roggensorte wieder neu entdeckt worden und wird wieder – trotz erheblich geringerer Erträge im Vergleich zu herkömmlichem Roggen – vermehrt angebaut. Da diese Sorte extrem widerstandsfähig ist und auch mit unwirtlichen Zuständen zurechtkommt, kann sie auch in klimatisch ungünstigeren Gegenden angebaut werden.

Wir stehen im mannshohen Getreidefeld und rundherum ist nichts als Landschaft und Natur. Die hohen Halme sind ein Markenzeichen des Waldstaudenroggens. Durch diese Höhe sind sie besonders unempfindlich gegenüber Krankheiten.

Das Urgetreide färbt Brot und Gebäck ganz natürlich etwas dunkler und das erdige, kräftig aromatische Aroma verleiht ihm das gewisse Etwas.

Prüfend öffnet Herr Ronge ein Getreidekorn, drückt es zusammen und spürt, dass noch etwas zu viel Feuchtigkeit enthalten ist. Mehr als 13,5% Restfeuchte darf das Korn nicht haben, um geerntet werden zu können. In drei Wochen ist es dann aber auch soweit, und Herr Ronge kann mit seinem gigantischen Mähdrescher einer seiner Lieblingstätigkeiten nachkommen und die Ernte einfahren. Aus dem Waldstaudenroggen der Familie Ronge wird das St. Pöltner in der Bäckerei Hager gebacken. Ein ganz besonderes Brot, das würzig schmeckt und lange frisch bleibt.

Zum Arbeiten gibt es immer etwas

Herr Ronge liebt die Abwechslung bei seiner Arbeit, die frische Luft und als er vom Dreschen erzählt, hört man das Schwärmen in seiner Stimme. Täglich fährt er seine Felder ab, um zu überprüfen, wie es um das Getreide steht und wo es noch was braucht. „Ich bin angefressen, wenn ich auf den Acker fahre und mein Kukuruzfeld ist nicht das Schönste“, erzählt Herr Ronge äußerst ehrlich.

Beiden Bauern sieht man den Stolz an, als sie von ihren Betrieben mit Familientradition erzählen und beim nächsten Stück Brot, das wir in der Hand halten, wird uns noch einmal mehr die Arbeit bewusst, die hier drinnen steckt.

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