Regionalität genau betrachtet

Regionalität genau betrachtet

Die Eier vom Bauern aus der Nachbarortschaft, die Äpfel vom wöchentlichen Bauernmarkt, der Käse aus dem Ab-Hof-Laden und das Brot aus der örtlichen Bäckerei. Alle wollen zurzeit regional einkaufen. Gerade jetzt – während der Corona-Pandemie – erinnern wir uns verstärkt an die Stärken unserer regionalen Produzenten. Zeit, einmal etwas genauer darauf zu schauen, was regional eigentlich wirklich bedeutet und warum es sich für jeden einzelnen lohnt, vermehrt regional einzukaufen.

Wir Österreicherinnen und Österreicher wollen österreichische Produkte, und die regionale Versorgung von Lebensmitteln durch unsere Bäuerinnen und Bauern sowie Lebensmittelproduzenten ist ganz essentiell. Die Landwirtschaft und die angeschlossenen Produktionsbetriebe wie Molkereien, Bäckereien sind – das führt uns die Corona-Pandemie deutlich vor Augen – systemrelevant. Ein kleines, aber heimtückisches Virus musste uns zeigen, wie abhängig wir in einigen Bereichen vom Ausland sind und dass Globalisierung nicht alles ist – schon gar nicht beim Essen.

Aus der Region für die Region

Wie eine Umfrage der Statistik Austria belegt, orientieren sich 80% der ÖsterreicherInnen beim Einkaufen an dem Begriff „regional“. Doch ist der Begriff „Regionalität“ hier bei uns in Österreich weder geschützt noch genau definiert. Unter einer Region ist nie ganz Österreich gemeint, obwohl das manchmal so kommuniziert wird. Region ist immer nur ein Teilraum wie ein Bundesland, ein Viertel (Waldviertler Erdäpfel) oder ein Landschaftsraum (Tomaten aus dem Seewinkel). Dieser muss aber nicht unbedingt an der Grenze zu Ende sein.

Und: Ein regionales Produkt sollte immer aus einer Region für eine Region produziert werden.

Als Faustregel gilt: Werden innerhalb von 100 km die Rohstoffe für ein Produkt erzeugt, verarbeitet und dann auch verkauft, sind alle Kriterien für ein regionales Produkt bestens erfüllt.

Licht im Bezeichnungsdschungel

Beim Einkaufen im Supermarkt ist ein regionales Produkt aber nicht immer so leicht zu erkennen. Begriffe wie „aus der Region“, „Heimat“ oder „von hier“ bedeuten noch gar nichts, wenn nicht zusätzlich auch die genaue Herkunft angegeben ist.

Auch Siegel helfen ein bisschen. So gibt es das Siegel mit der Kennzeichnung für geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.). Sie erkennen dieses durch einen gelben Ring auf rotem Hintergrund. Dieses Siegel bedeutet, dass das ein Lebensmittel aus einer gewissen Region kommt und dort auch hergestellt wird.

Ist der Hintergrund blau, ist das das Siegel für Lebensmittel mit geschützter geographischer Angabe (g.g.A.). Dann bedeutet das nur, dass nur ein Schritt der Produktionskette in dieser Region getätigt wurde.

Weitere Tipps zum regionalen Einkaufen können Sie unter „So geht’s auch regional – Tipps für regionales Einkaufen“ nachlesen.

Regionale Produkte tun gut

  1. Kaufen Sie regional ein, dann haben die Produkte keine weiten Transportstrecken hinter sich. Das tut dem CO2-Fußabdruck gut.
  2. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Das tut dem Arbeitsmarkt in der Region gut und kommt dem Bäcker im Ort oder dem Nachbarsbauern zugute. Zum Vergleich: Kaufen Sie Äpfel im Supermarkt, erhält der Bauer nur um die 50 Cent pro Kilogramm Äpfel. Der ganze andere Rest geht an die Handelskette.
  3. Besonders bei regionalem Obst und Gemüse ist das volle Aroma und die geballte Nährstoffkraft vorhanden. Das tut unserer Gesundheit gut. („Regional, saisonal, gesund“)
  4. Durch das Einkaufen beim Wochenmarkt, beim Bauernladen oder auch im kleinen Geschäft im Ort bauen wir Beziehung auf zu den Verkäufern und Produzenten. Das schafft Vertrauen und tut uns als Menschen gut.

Gelebte Regionalität bei Ihrem Bäcker

Die Bäckerei Hager aus St. Pölten mit Filialen ausschließlich im Umkreis hat sich gelebte Regionalität auf die Fahnen geheftet. Einige Beispiele gefällig?

  • Das Dinkelmehl für das neue Traisentaler stammt aus der kleinen aber feinen Weinregion Traisental vor den Toren St. Pöltens. 
  • Die Haus-und-Hof-Mühle der Bäckerei Hager ist die Langer-Mühle in Ober-Grafendorf, einem kleinen Ort im nahe gelegenen Pielachtal. Die familiengeführte Mühle bezieht das Getreide ebenfalls nur von Bauern der Umgebung.
  • Im St. Pöltner steckt Waldstaudenroggen aus dem Waldviertel, genauso wie die Kartoffeln. Das Joghurt stammt aus Fugging, einem klitzekleinen Ort nördlich von St. Pölten.

Regionalier geht’s nicht mehr! 

Dr. Astrid Laimighofer ist Ernährungswissenschafterin und schreibt in regelmäßigen Abständen für unseren Brotblog.

Dr. Astrid Laimighofer
Ernährungswissenschafterin & Buchautorin
0699/1000 80 85
astrid@laimighofer.at
www.gesundberaten.co.at

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